09.11.2018 Landkreis

„Im Zweifelsfall auflegen“

„Im Zweifelsfall auflegen“ Polizeiexperte referierte über neue Medien und Kriminalität

Das Internet istaus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Und wie überall haben sich auch hier inzwischen kriminelle Strukturen entwickelt, die die Nutzer von PC, Tablet oder Smartphone um ihr Geld erleichtern wollen.

Leider viel zu oft gelingt das, weil viele Menschen immer noch kaum für die Gefahren im Internet sensibilisiert sind. Unter dem Titel „Betrug erkennen und vermeiden“ bot die EWE nun einen Vortrag zum Thema.

Referent Polizeihauptkommissar Peter Siebert war der richtige Mann dafür. Seit Langem befasst er sich mit den verschiedensten Facetten der Kriminalität, die mit den modernen Medien verbunden sind. Angefangen vom sogenannten Enkeltrick über Anrufe vom falschen Microsoft oder Bankmitarbeiter bis hin zur Nigeria-Connection bot er einen interessanten Vortrag.

„Für den Betrug muss es immer zwei Personen geben“, stellte Peter Siebert eingangs klar. Als Opfer müsse man agieren, um den Tätern überhaupt ihr Verbrechen möglich zu machen. So beginne der Enkeltrick, der meist von organisierten Banden aus dem östlichen Ausland angewendet wird, immer mit einem Anruf bei älteren Mitbürgern und der Frage: „Rat mal, wer hier ist?“ Nennt das Opfer dann im Glauben an einen vermeintlichen Verwandten einen Namen, haben die Täter bereits einen Fuß in der Tür und spinnen ihre Geschichte um eine plötzliche Geldnot, bei der Oma oder Opa natürlich gerne helfen. Dabei suchen sich die Täter gezielt Namen aus den Telefonbüchern, die auf ältere Jahrgänge hindeuten.

Bewusstwird über das Telefon Druckgemacht. So könne der vermeintliche Enkel aus irgendeinem windigen Grund das Geld nicht selber abholen, sondern würde einen Freund schicken. Auf diesem Wege werden immer wieder hohe fünf- und sechsstellige Beträge ergaunert. „Der Enkeltrick hat den klassischen Teppichverkäufer an der Tür abgelöst.

Heute ist es viel lukrativer und sicherer im Internetzu agieren“, so Siebert weiter. Angebahnt werden die Verbrechen oft über Länder, wie die Türkei oder Polen. Hat das Opfer angebissen, werden direkt vor Ort Abholer angesetzt, die den arglosen Senioren dann das Geld an der Haustür abnehmen. Zurück bleiben schwer traumatisierte Opfer, die sich im Nachhinein für ihre Leichtgläubigkeit schämen.

Peter Siebert rät auf jeden Fall, solche Taten zur Anzeige zu bringen und im Zweifelsfall Rücksprache mit Verwandten zu halten. „Die Opfer müssen verstehen, dass sie sich nicht schämen müssen. Betroffen sind immer die hilfsbereiten Menschen. Im Zweifelsfall sollten sie bei solchen Anrufen einfach auflegen“, so der Polizeihauptkommissar.

Eine weitere beliebte und weitverbreitete Betrugsmasche sind Mails, die vermeintlich von Banken oder Anbietern wie PayPal kommen, in denen der angeschriebene „Kunde“ darüber aufgeklärt wird, dass es Probleme mit seinem Konto gebe und er sich über einen beigefügten Link verifizieren müsse.

„Diesen Links dürfen sie nie folgen“, so Siebert eindringlich. Im Zweifelsfall solle man seine Bank lieber direkt kontaktieren. Auch warnte er vor dem Öffnen von an E-Mails angehängten ZIP-Dateien, die den eigenen Rechner massiv schädigen können.

„Alle Alarmanlagen müssen bei Ihnen schrillen, wenn Sie aufgefordert werden, Geld ins Ausland zu überweisen.“ Dies geschehe meist über Anbieter wie Western Union oder Bezahlmethoden wie Paysafe oder Money Gram. „Dann sind Sie gefragt, dem ein P vorzusetzen“, appellierte der Polizeifachmann an den gesunden Menschenverstand der Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Betrugsmethoden sind sovielfältig, wie die Weiten des Internets selber. Täter lauern auf Datingseiten ebenso, wie bei ebay-Kleinanzeigen, Fakeshops oder vermeintlich offiziellen E-Mails. Zum Abschluss erinnerte Peter Siebert an die Wichtigkeit, seine elektronischen Geräte mit aktuellen Virenscannern zu schützen. Die gebe es umsonst im Internet und können im Zweifelsfall vor gefährlichen Mailanhängen warnen.Siebert plädierte dafür, jeden Fall von Betrugsversuch anzuzeigen.

Jeder Fall, der die Statistik erhöhe, vergrößere auch den Druckauf die Politik, mehr Mittel zur Bekämpfung solcher Kriminalität bereitzustellen. Bei der Polizei Niedersachsen kann man das heute auch schon online unter www.onlinewache.polizei.niedersachsen.de machen. „Man ist selber gefragt, aufzupassen und gegebenenfalls auch zu recherchieren. Hören Sie auf ihr Bauchgefühl“, resümierte Peter Siebert abschließend.